Äkkilähtö – Off The Map | Nordlichter Festival 2017 München

Das Nordlichter Festival 2017 war die ideale Einstimmung auf das große Filmfest München. Dort haben wir den finnischen Film Äkkilähtö/Off The Map (OmU) gesehen, an den wir im Vorfeld bereits hohe Erwartungen hatten.

Äkkilähtö – Off The Map

Als erstes Spielfilmprojekt von Regisseurin Tiina Lymi wurde Äkkilähtö im Februar 2016 ausgestrahlt. Tiina Lymi ist in Finnland vor allem als Schauspielerin bekannt, zum Beispiel aus der Fußballkomödie FC Venus, schreibt aber auch Drehbücher und hat zuvor schon einen Kurzfilm produziert. Sie ist bekannt dafür, die Rolle der Frauen zu thematisieren und dies auch mit einem leicht feministischen Einschlag. Zusammen mit der Produzentin Nina Laurio entstand zuletzt das Drehbuch für Äkkilähtö.

Auch die Besetzung des Films ist für dieses Projekt sehr stark. Die männlichen Hauptrollen werden von Antti Holma (Mikko), Ville Tiihonen (Tero) und Jussi Vatanen (Johannes) gespielt. Sie alle sind nicht nur Film- und/oder Serienstars, sondern auch darüber hinaus als Autoren o.ä. kreativ.
Was die weiblichen Rollen angeht ist das Spektrum ziemlich groß, da diese aus 3 Generationen stammen. Die kleine Anna wird von der damals 10-jährigen Eedit Patrakka gespielt. Kritikern zufolge steht ihr eine große Karriere bevor. Katri, die Businessfrau, wird gespielt von Lotta Kaihua, die in Film, Serien und im Theater aktiv ist. Und Annas Mummo, also ihre Oma, wird von Marja Packalén gespielt. Sie ist schon seit langem in der Filmbranche und hat auch schon als Synchronsprecherin gearbeitet.

Frauenpower in Finnland

Beschrieben wird der Film als eine Mischung aus Roadmovie, Komödie, Actionfilm und Drama. Ich sehe den Film aber auch zusätzlich als „Frauenfilm“. Damit meine ich nicht, dass nur Frauen ihn gut finden können oder gar dürfen (wie manche es bei z.B. Fifty Shades of Grey meinen). Von Frauen produziert und von starken Frauen handelnd zeigt er, dass die Geschlechter sich in nichts nachstehen. Aus finnischer Perspektive ist das gar kein allzu revolutionärer Gedanke. Politisch z.B. mischten Frauen auch schon von Anfang an mit. Schon bei den ersten Bürgerwahlen vor über 110 Jahren durften sie wählen und auch gewählt werden. Damit war Finnland das erste europäische Land, in dem das möglich wurde. Im Vergleich wurde in Liechtenstein erst Mitte der 80er das Frauenwahlrecht eingeführt.

Frauenpower aus Finnland

Im Handeln der 3 Protagonistinnen zeigt sich, dass nicht nur die Frauen, die hinter dem Film stehen, also die Regisseurin Tiina Lymi und Produzentin Nina Laurio starke Frauen sind, sondern auch die weiblichen Charaktere im Film.

Katri und Anna sind eigentlich sehr verschieden. 2 Generationen, 2 Lebensumstände und jeder mit eigenen Problemen. Aber beide haben gute Gründe und auch den Mut, die Initiative zu ergreifen, da sie ihr Dasein nicht länger von Männern und Kriminalität beeinflussen lassen wollen. Sie geben ihr so sicher scheinendes Leben auf und brechen aus ihrem Alltag aus. Sie entfliehen ihm sozusagen, buchstäblich. Und zwar ganz plötzlich, wie es der Titel Äkkilähtö suggeriert. Sie verschwinden und fliehen vor den Männern, die ihnen schaden wollen. Dazu versuchen sie letztlich in der Nähe von Annas Großmutter Off The Map zu sein. Allgemein kann man sagen, dass in Finnland eine zunehmende Landflucht zu beobachten ist. Denn das Leben in Städten verspricht eine bessere Infrastruktur und bessere Berufschancen. Anna und Katri hingegen machen es genau umgekehrt, um ein besseres Leben zu finden. Doch die Idylle können sie nicht wirklich genießen…

Eigene Meinung

Erwartet hatte ich eine lustigen Film mit viel Action, der aber mehr als nur eine flache Komödie ist. Ich hatte gehofft, dass der Inhalt, also vor allem die zwei Schicksale von Anna und Katri zum Nachdenken anregen. Und genau so ist es auch gewesen. Äkkilähtö vereint all diese Elemente. Ein bisschen von allem, aber in einem guten Mischverhältnis. Die an sich absurde Handlung sorgt für den Fun und die Action, die Hintergrundstory gibt dem Film Tiefe, ohne aber die Stimmung zu trüben. Durch diese Mischung hat der Film viele tragisch-komische Momente, vor allem wenn es um Anna geht. Und auch die obligatorische Lovestory ist mit eingebunden, aber eben nicht zu präsent. Die Besetzung ist optimal und so sind die einzelnen Charaktere sehr überzeugend und authentisch. In nordischen Filmen wirken Filmdialoge manchmal etwas komisch und erzwungen, da dort eine andere Gesprächskultur herrscht. Das ist hier aber nicht merkbar. Am meisten ist meiner Meinung nach Eedit Patrakka herausgestochen, die die kleine Anna so frech und so bezaubernd verkörpert.
Alles in allem empfehle ich den Film gerne weiter. Falls du also mal die Möglichkeit hast, ihn zu sehen, lass ihn dir nicht entgehen!

Nordlichter Festival

Das Nordlichter Festival ist ein Projekt der Agentur Kulturprojektor. Im Rahmen dessen zeigt in München das Arena Filmtheater eine Woche eine Auswahl von Filmen aus den nordischen Ländern in der Originalfassung mit Untertiteln. 2017 startete es mit dem hier besprochenen finnischen Film Äkkilähtö. Aber auch interessante Filme aus Norwegen, Dänemark, Island und Schweden wurden gezeigt.
In netter Atmosphäre ist es eine tolle Erfahrung, zusammen mit anderen Interessierten neue Filme zu entdecken. Denn nach einem Kinobesuch ist das Gespräch über den gesehenen Film ja immer ein schöner Abschluss. Das Arena Filmtheater mit seinem kleinen, aber feinen Kinosaal ist die optimale Location für dieses Event. Ich freue mich schon auf  das Nordlichter Festival 2018.


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